GESCHICHTE DES RIO CARNIVAL

Die brasilianische Kultur, die weit über den Samba hinausgeht, ist eine Mischung aus Sinnlichkeit, Lebenslust und Freude. Ihre Vielfältigkeit ist auf den Reichtum ihrer Ursprünge zurückzuführen. Es waren verschiedene Herzen und Seelen mehrerer Kontinente, die ihre Stimmen erhoben, um das Glück im neuen Land zu beschwören.

 

Die westafrikanische Seele, die in grausamer Gefangenschaft ins tropische Südamerika gebracht wurde, verbarg in ihrer Tiefe Glauben und Gesang. Ihre Götter, die "Orixás", begleiteten sie auf ihrer Reise in die neue Welt. Ogum, dem wilden Krieger, Xango, dem unwiderstehlichen, gerechten Gott, und Iemanja, der Meeresgöttin, begegneten sie in der Kraft ihrer Trommeln und der Euphorie ihrer Tänze wieder.

 

 

Das half ihnen ihr Leid zu ertragen, und sich an das neue Leben anzupassen. Ihre Kämpfe verhüllten sie mit Gesängen und harmonischen, rhythmischen Bewegungen. Daraus entstand die Capoeira. Eine Variante davon ist das Maculele, das die Bewegungen der Zuckerrohrschneider in den Plantagen nachahmt.

 

 

Die Indianer, die Kinder dieses Landes, führten ein Leben, in dem man keine Sünde kannte. Die Welt war für sie ein Ort des Glücks, reich an Früchten, Tieren und Blumen, und das Leben ein Geschenk Gottes an die, die dies zu achten und zu schätzen wußten.

 

Auf diese schlichte Lebensweisheit trafen die Europäer, als sie Brasilien entdeckten. Auch sie brachten ihre Götter, ihre Bräuche und ihre Musik mit.

 

Aus der Verschmelzung dieser drei Kulturen entstand eine Vierte, eigenständig und einzigartig: Die Kultur Brasiliens. Ihre vielleicht bekannteste und beste Ausdrucksform ist der Samba, ein Rhythmus, der die Elemente all jener Kulturkreise harmonisch ineinander fließen läßt.

 

 

Die Indianer verliehen dem Samba die Sinnlichkeit und die Lebensfreude ihrer erdverbundenen Fruchtbarkeitsrituale, die Schwarzen ihren Rhythmus und die leidgeprüfte Kraft ihres Glaubens, und die Europäer trugen mit ihren romantischen Volksliedern zu der Melodik des Sambas bei. Die europäischen Kaiserhöfe lieferten die Inspiration für die imposanten, prunkvollen Kostüme.

 

Seinen Höhepunkt erreicht der Samba alljährlich im Karneval. Diese vier Tage stellen das demokratischste aller Feste dar, bei dem Reich wie Arm, Schwarz und Weiß, Brasilianer und Ausländer miteinander tanzen, feiern und beim Klang von Tamburin, "Cuica", "Reco-Reco" und anderen typischen Sambainstrumenten ihre Sorgen vergessen und neue Lebensfreude gewinnen.